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Elterninfo Nr. 2

Impfungen (allgemein)

Liebe Eltern!

Kaum ein Thema der Gesundheitsfürsorge für unsere Kinder wird so leidenschaftlich und kontrovers diskutiert wie das Thema „Impfungen“ - und das nicht nur unter Laien, sondern leider auch unter Medizinern und selbsternannten „Fachleuten“. Die folgenden Ausführungen können daher nicht die einzig richtige Ansicht zu dieser Thematik widerspiegeln; sie sollen aber einige fundierte Informationen und Argumente vermitteln und Ihnen meine persönliche Haltung in Impffragen verdeutlichen. Grundsätzlich möchte ich das wichtige Thema „Impfungen“ ausführlich mit Ihnen persönlich besprechen, z.B. im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen.


Das Immunsystem und das Prinzip der Impfungen
Das Immunsystem ist ein äußerst komplexes Zusammenspiel von Abwehrzellen und Abwehrstoffen, die sich im Blut und zahlreichen Geweben des menschlichen Organismus finden. Ein neugeborenes Baby erhält zwar durch von der Mutter übertragene Abwehrstoffe einen sogenannten „Nestschutz“, der aber nicht vollständig und nicht andauernd ist. Deshalb muß das noch unreife Immunsystem eines Säuglings eigene Abwehrkraft (Immunität) aufbauen: Der kindliche Organismus gerät ständig in Kontakt mit zahllosen Krankheitserregern (Bakterien, Viren, Pilze etc.). Meist geschieht dieser Kontakt völlig unbemerkt, kann aber auch zum Durchleben einer Krankheit führen. Der Körper gewinnt dabei Abwehrkraft, die bei erneutem Kontakt mit dem Erreger eine Erkrankung verhindert oder abmildert.
Zur Verhinderung schwerwiegender Krankheiten wird durch die Schutzimpfungen im Organismus eine Immunität erzeugt, ohne dass der Körper die schwere Krankheit durchmachen muß. Als Impfstoffe werden entweder „tote“ Bestandteile von Krankheitserregern oder „lebende“ Impfviren eingesetzt. Da bei Kontakt mit dem echten Krankheitserreger dann bereits eine Immunität besteht, kommt die Erkrankung nicht zum Ausbruch. Dabei werden die Impfstoffe in der Regel in einen Muskel (Oberschenkel oder Oberarm) oder unter die Haut gespritzt.

„Haben Impfungen Nebenwirkungen?“
Die überwiegende Zahl der Impflinge verträgt die Impfungen gut, dennoch gibt es Nebenwirkungen, meist harmloser Natur: erhöhte Körpertemperatur, selten richtig fieberhafte Temperaturen, Schmerzen oder Rötung an der Impfstelle. Nur ganz selten gibt es ernste Impfkomplikationen. Die Wahrscheinlichkeit einer ernsthaften Impfnebenwirkung ist aber um ein vielfaches geringer als die Wahrscheinlichkeit einer ernsthaften oder tödlichen Komplikation der entsprechenden Krankheit bei ungeimpftem Kind! Selbstverständlich gibt es Einzelfälle, in denen es günstiger ist, ein Kind vorübergehend oder auf Dauer von einer Impfung zurückzustellen (z.B. bei Immundefekten wie AIDS) - dies muß jedoch individuell imGespräch erörtert werden.

Die Argumente der Impfgegner und ihre sachliche Betrachtung

„Gegen `Kinderkrankheiten´ braucht man nicht zu impfen, sie sind notwendig zur Persönlichkeitsentwicklung“

Der Begriff „Kinderkrankheiten“ stammt aus einer Zeit vor Einführung der Schutzimpfungen, als die meisten Menschen bereits im Kindesalter Kontakt mit den entsprechenden Krankheitserregern hatten und klingt zu Unrecht so harmlos. Manche „Kinderkrankheit“ kann schwerwiegend, sogar tödlich verlaufen. Richtig ist, dass ein Kind in einer schweren Krankheit wertvolle Erfahrungen der Zuwendung, sowie des eigenen Körpers macht und so in seiner Persönlichkeit reift. Ob es dafür aber unbedingt - beispielsweise - die Masern benötigt, mit all ihren Komplikationsmöglichkeiten, ist zu bezweifeln; jedes Kind macht nämlich genug harmlose fieberhafte Infektionen durch, die ihm ähnliche Erfahrungen vermitteln.


„Impfungen sind schuld an dem gehäuften Auftreten von Allergien“

Es ist richtig, dass wir in den letzen Jahrzehnten deutlich mehr Allergien verzeichnen. Es stimmt auch, dass Allergien, Infektionen und Impfungen irgendwie mit dem Immunsystem zu tun haben. Es konnte aber wissenschaftlich korrekt bisher nicht nachgewiesen werden, dass ein direkter Zusammenhang zwischen Impfungen und einer allgemeinen Allergieneigung besteht, und dass Ungeimpfte weniger Allergien aufweisen. Im Gegenteil: Es gibt Untersuchungen, die belegen, dass zeitgerechte Impfungen eher vor Allergien schützen - durch ein frühzeitiges "Training" des Immunsystems.

„Gute medizinische Versorgung und das seltene Auftreten von Infektionskrankheiten machen Impfungen überflüssig“

Es stimmt, dass manche Krankheiten in Europa selten geworden sind. Aber das ist gerade ein Verdienst der Impfungen! Bei nachlassender Impfbereitschaft der Bevölkerung steigen die Erkrankungszahlen für viele bedrohliche Erkrankungen wieder deutlich an; das zeigen mehrere aktuelle Untersuchungen. Auch gibt es für viele Erkrankungen, die durch Impfungen hätten verhindert werden können, trotz unseres hohen medizinischen Standards leider kaum Behandlungsmöglichkeiten.

„Es wird zu schematisch, zu früh und zu viel auf einmal geimpft“

Der von Experten der Ständigen Impfkommission (STIKO) erarbeitete Impfplan gibt eine Orientierung über die zeitliche Abfolge der empfohlenen Impfungen. Die Vorstellung, durch „zu frühe“ oder „zu viele Impfungen auf einmal“ das Immunsystem zu „überfordern“, ist falsch. Gerade Babies und Kleinkinder haben ein unzureichendes Abwehrsystem und bedürfen eines möglichst frühzeitigen Infektionsschutzes. Theoretisch wäre es sinnvoll, bereits Neugeborene zu impfen. Dies ist aber nicht möglich, da das Neugeborene noch mütterliche Abwehrstoffe im Körper hat, die ein „Angehen“ der Impfung verhindern. Mehrere Impfungen auf einmal schaden nicht; denn auch auf natürlichem Weg wird das Immunsystem tagtäglich mit zahlreichen Erregern und Fremdstoffen konfrontiert. Kombinationsimpfungen verringern außerdem die Zahl der unerfreulichen „Piekse“ und reduzieren die Menge mit dem Impfstoff zugeführter Zusatzstoffe, die häufig für die Nebenwirkungen veranwortlich sind.

„Welche Entscheidung ist die richtige für mein Kind?“

Grundsätzlich gilt: Impfen schützt vor Krankheiten mit teilweise lebensbedrohlichen Folgen. Wir müssen aber Wahrscheinlichkeit und Risiko einer Infektion gegen Nutzen und Risiko der Impfung abwägen.
Bei den derzeit öffentlich empfohlenen Impfungen überwiegt eindeutig der Nutzen. Es besteht jedoch in Deutschland kein Impfzwang - wie in vielen modernen Staaten - sondern Sie als Eltern müssen eine aktive Entscheidung zum Wohle Ihres Kindes treffen. Ich empfehle Ihnen daher nachdrücklich, die öffentlich empfohlenen Schutzimpfungen für Ihr Kind wahrzunehmen. Meine eigenen Kinder habe ich gemäß dem STIKO-Impfplan geimpft!

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