Vorschläge zur Förderung visueller Wahrnehmung für zuhause
Oft werde ich als Kinderarzt gefragt, wie man Wahrnehmungsstörungen vorbeugen könne. Ich denke, dass uns Eltern eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Förderung der Wahrnehmungsfähigkeit unserer Kinder gegeben ist. Vieles ist altbewährt, doch leider in den vergangenen Jahren dem unser Leben immer mehr bestimmenden Faktor „Zeit“ zum Opfer gefallen. So lege ich Ihnen ans Herz: Nehmen Sie sich Zeit für Ihr Kind! Was in den ersten Jahren nicht grundgelegt ist, kann nur mit viel Anstrengung - wenn überhaupt - nachgeholt werden.
- Lassen Sie Ihr Kind Anteil haben an den Dingen des täglichen Lebens (Kochen, Backen, Putzen, Aufräumen). Es dauert zwar meistens ein wenig länger, aber die Kinder lernen von klein auf den Umgang mit den alltäglichen Notwendigkeiten und sie sind im feinmotorischen Bereich gefordert (Schneiden mit dem Messer, Rollen und Kneten des Teiges). Haben Sie Geduld und vergessen Sie nicht, dass ihr Kind erst lernt. Geben Sie Ihrem Kind das Gefühl, ein große Hilfe gewesen zu sein.
- Erziehen Sie ihr Kind zur Selbständigkeit. Nehmen Sie ihm nicht alle Handgriffe ab, weil es so halt schneller geht (Hände waschen, Anziehen, Aufräumen etc.).
- Versuchen Sie Ihr Kind schon frühzeitig an Spiele heranzuführen, die Aufmerksamkeit verlangen: z. B. „Memory“ ( mit wenigen Bilderpaaren beginnend und langsam die Anzahl steigernd), „Schau genau“ oder „Differix“, „Vier zu mir“...
- Motivieren Sie Ihr Kind zum Puzzle-Spiel (dem Entwicklungsstand des Kindes angemessen) und freien Malen (ohne Schablonen und Stempel).
- Bei folgenden Spielen haben Sie als Eltern die Möglichkeit, Gewinnen oder Verlieren etwas zu beeinflussen: „Fische fangen“, „Vier gewinnt“, „Mikado“... Gewinnen motiviert, doch müssen Kinder auch lernen, Frustrationen zu verarbeiten, d.h. ein Spiel zu verlieren!!
- Lesen Sie Ihrem Kind vor, anstatt es CDs hören zu lassen. Die CD läuft weiter, auch wenn die Aufmerksamkeit Ihres Kindes nachlässt . Beim Vorlesen können Sie auf Ihr Kind eingehen, mit ihm darüber sprechen. Bei kleineren Kindern eignen sich Bücher mit wenig Text gut, in denen man viele kleinen Details entdecken kann ( z.B. Bücher von Ali Migutsch).
- Geben Sie Ihrem Kind im Kinderzimmer nicht zu viele Anreize, sie lenken eher ab als zu stimulieren.
- Räumen Sie Spielsachen von Zeit zu Zeit weg; das erhöht die Attraktivität beim Wiederherausholen!
- Gehen Sie mit Ihrem Kind auf Spielplätze oder nützen Sie Angebote wie Mutter-Kind-Turnen. Auf spielerische Art wird beim Schaukeln, Rutschen, Balancieren, Klettern und Ballspielen die Sensomotorik und die Koordination gefördert.